Das leise Drehbuch – und was es für dein Depot bedeutet

Das leise Drehbuch – und was es für dein Depot bedeutet

Teil 4 der Serie „Der Markt, der alles bestimmt"

Teil 3 endete mit einem Versprechen: dass Staaten, wenn ihre Schulden zu groß werden, fast immer denselben Weg wählen: Nicht sparen, nicht pleitegehen, sondern leise entwerten. Finanzielle Repression. Dieses Versprechen wird jetzt eingelöst: Wie sieht das Drehbuch konkret aus, was hat es früher mit den großen Anlageklassen gemacht, und woran erkennst du, ob es wieder angelaufen ist.

Vorab die vielleicht wichtigste Zahl der ganzen Serie, aus der Forschung von Carmen Reinhart, die die Schuldengeschichte von Jahrhunderten durchgearbeitet hat: Zwischen 1945 und 1980 waren die Realzinsen, also Zins minus Inflation, in den Industrieländern in rund der Hälfte aller Jahre negativ. Die USA und Großbritannien entwerteten ihre Schulden auf diesem Weg um drei bis vier Prozent der Wirtschaftsleistung, Jahr für Jahr. Eine unsichtbare Steuer, in genau dieser Höhe, kassiert vom Staat bei seinen Gläubigern, ohne dass je ein Steuerbescheid kam. Das war kein Unfall und keine Krise. Das war das System, über drei Jahrzehnte, und die meisten, die es erlebten, haben es nie bemerkt.

Read more