Der aktuelle Marktzustand: Langsam nach oben, aber mit klarer Grenze

Der aktuelle Marktzustand: Langsam nach oben, aber mit klarer Grenze

Die professionellen Handelsdaten für den S&P 500 zeigen uns einen bemerkenswert starken und stabilen Markt, der sich jedoch einer wichtigen Hürde nähert. Um zu verstehen, was das bedeutet, schauen wir uns zunächst an, wie große Händler (Market Maker und institutionelle Investoren) gerade positioniert sind.

Diese großen Marktteilnehmer handeln nicht nur Aktien, sondern massiv Optionen. Und wenn sie Optionen verkaufen, müssen sie sich dagegen absichern – sie kaufen oder verkaufen also Aktien oder Futures, um ihr Risiko zu steuern. Diese Absicherungsgeschäfte beeinflussen, wie sich der Markt bewegt. Aktuell befinden wir uns in einer Situation, die Profis als "positives Gamma-Regime" bezeichnen. Für dich als Optionshändler bedeutet das konkret: Der Markt schwankt wenig, jeder kleine Rücksetzer wird von Käufern aufgefangen, und der Index bewegt sich langsam aber stetig nach oben oder seitwärts. Von heftigen Abverkäufen oder Panik ist nichts zu sehen. Man könnte auch sagen: Es ist ein "bullischer Grind" – der Markt mahlt sich Stück für Stück nach oben, ohne Drama, aber mit Ausdauer.

Die Volatilität – also das Maß dafür, wie stark der Markt schwankt – ist extrem niedrig. Wenn wir uns die sogenannte ATM Term Structure ansehen (das ist eine Kurve, die zeigt, wie teuer Optionen über verschiedene Zeiträume sind), dann sehen wir eine normale Situation: Kurzfristige Optionen sind deutlich günstiger als langfristige. Das nennt man eine Contango-Kurve – sie steigt nach vorne hin an. Die Werte liegen unter 12%, was für den S&P 500 sehr niedrig ist. Der Markt hat also keine Angst. Für uns als Optionshändler heißt das: Optionen sind gerade relativ "billig" – der Preis für Versicherungen gegen Kursverluste ist niedrig, weil niemand große Schwankungen erwartet. Das macht es attraktiver, Optionen zu kaufen (etwa Calls für steigende Kurse), aber weniger lukrativ, Optionen zu verkaufen (weil die Prämien dünn sind).

Das Gesamtbild wird durch einen Indikator bestätigt, den manche Datenanbieter Q-Score nennen – eine Art Stimmungsbarometer, das verschiedene Faktoren kombiniert. Mit 5 von 5 Punkten ist die Stimmung sehr optimistisch. Das Momentum zeigt nach oben, und auch die Positionierung bei Optionen ist überwiegend bullisch. Nur ein kleiner Dämpfer: Die nächsten fünf Handelstage zeigen saisonal eher schwaches Verhalten – das ist aber nichts Dramatisches, sondern eher ein kleiner statistischer Gegenwind.

Die entscheidenden Preisniveaus: Wo kaufen, wo vorsichtig werden?

Schauen wir uns nun die konkreten Kursniveaus an, die in den nächsten Wochen wichtig werden. Diese Niveaus ergeben sich daraus, wo besonders viele Optionskontrakte liegen. Wenn sehr viele Optionen bei einem bestimmten Strike (Ausübungspreis) platziert sind, beeinflusst das, wie sich der Markt dort verhält.

7000 Punkte – Die harte Obergrenze. Dies ist mit Abstand die wichtigste Marke nach oben. Bei 7000 Punkten liegen riesige Mengen von verkauften Call-Optionen. Warum ist das relevant? Wenn der S&P 500 in Richtung 7000 steigt, müssen die Händler, die diese Calls verkauft haben, sich dagegen absichern. Sie verkaufen dann Futures oder Aktien, um ihr Risiko zu begrenzen. Diese Verkäufe bremsen den Markt aus. Man nennt das Call-Resistance oder eine "Call-Wand". Stell dir vor, der Markt läuft gegen eine unsichtbare Wand – es wird extrem schwer, im ersten Anlauf darüber hinauszukommen. Die 7000 ist unser Deckel für die nächsten Wochen.

6795 bis 6800 Punkte – Der Anziehungspunkt. Diesen Bereich nennt man High Volume Level (HVL) – also das Kursniveau, bei dem besonders viel gehandelt wurde. Solche Bereiche wirken wie Magneten: Wenn der Markt korrigiert, kehrt er oft genau hierhin zurück. Warum? Weil hier viele Marktteilnehmer bereit sind zu kaufen. Für uns bedeutet das: Wenn der S&P 500 in diesen Bereich zurückkommt, ist das eine gute Kaufgelegenheit.

6700 Punkte – Die erste wichtige Unterstützung. Ab hier liegen größere Mengen von gekauften Put-Optionen. Put-Käufer erwarten fallende Kurse oder wollen sich dagegen absichern. Solange 6700 hält, ist das bullische Bild intakt. Ein Bruch dieser Marke wäre das erste echte Warnsignal.

6500 Punkte – Die ultimative Verteidigungslinie. Hier liegt das, was man eine Put-Wand nennt – massive Put-Käufe, die im Worst Case die Abwärtsbewegung bremsen würden. Im Vier-Wochen-Zeitraum ist ein Fall unter 6500 extrem unwahrscheinlich und würde bedeuten, dass sich der gesamte Marktcharakter verändert hat.

Der Handelsplan: Die Range nutzen

Aus dieser Analyse ergibt sich eine klare Strategie: Wir erwarten eine Bewegung innerhalb einer Trading-Range zwischen etwa 6800 und 7000 Punkten. Der Plan heißt: Bei Rücksetzern kaufen ("Buy the Dip") und die Bewegung nach oben mitspielen, aber nicht versuchen, über 7000 hinauszukommen. Dafür gibt es drei konkrete Ansätze:

Strategie A: Bull Call Spread – Mit begrenztem Risiko auf steigende Kurse setzen

Da Optionen gerade günstig sind, macht es Sinn, auf steigende Kurse zu setzen. Aber statt einfach einen Call zu kaufen (was zwar unbegrenztes Gewinnpotenzial hätte, aber teuer ist), nutzen wir einen Bull Call Spread. Das ist ein sogenannter gerichteter Spread – eine Kombination aus zwei Optionen, mit der du gezielt auf eine Richtung (hier: aufwärts) spekulierst.

So funktioniert es: Du kaufst einen Call mit Strike 6900 und verkaufst gleichzeitig einen Call mit Strike 7000. Beide Optionen haben den gleichen Verfallstag (etwa 16. Januar 2026). Was bringt das? Der verkaufte 7000er-Call senkt deine Kosten, weil du ja die Prämie dafür einsammeln kannst. Gleichzeitig spiegelt dieser verkaufte Call die Realität wider: Der Markt wird wahrscheinlich nicht über 7000 steigen. Dein maximaler Gewinn liegt also zwischen 6900 und 7000 – genau dort, wo wir den Markt erwarten.

Der beste Einstiegszeitpunkt ist bei einem kleinen Rücksetzer Richtung 6850 Punkte. Dort bekommst du bessere Preise, weil die Optionen dann etwas günstiger sind.

Strategie B: Put Credit Spread – Prämien kassieren mit hoher Wahrscheinlichkeit

Wenn du eher konservativ bist und darauf setzen möchtest, dass der Markt nicht fällt, kannst du einen Put Credit Spread nutzen. Auch das ist eine Kombination aus zwei Optionen, aber hier verkaufst du Versicherungen und sammelst dafür Prämien ein – ähnlich wie eine Versicherungsgesellschaft.

Konkret: Du verkaufst einen Put mit Strike 6700 oder 6750 (Short Put) und kaufst gleichzeitig einen Put mit Strike 6650 oder 6700 (Long Put) zur Absicherung. Der gekaufte Put begrenzt dein Risiko nach unten. Wenn der S&P 500 nicht unter 6700 fällt – was eine Korrektur von fast 3% bedeuten würde –, verfallen beide Optionen wertlos und du behältst die eingesammelte Prämie als Gewinn. Die Wahrscheinlichkeit ist aufgrund der Marktlage sehr hoch, dass 6700 hält.

Der Nachteil: Die Prämien sind aufgrund der niedrigen Volatilität dünn. Der Vorteil: Du spielst mit der Wahrscheinlichkeit auf deiner Seite.

Strategie C: Kurzfristiges Gegenbewegung-Trading bei 7000

Falls der S&P 500 sehr schnell (innerhalb weniger Tage) auf 6980 bis 7000 Punkte steigt, kannst du eine kurzfristige Gegenwette eingehen. Du würdest dann entweder Futures verkaufen oder Puts kaufen – in der Erwartung, dass der Markt von der harten 7000er-Wand abprallt und zurück auf 6900 bis 6920 fällt. Diese Strategie ist etwas spekulativer und nur für kurzfristige Trader geeignet.

Was in den nächsten vier Wochen passieren könnte

Woche 1 (Mitte Dezember) wird voraussichtlich ruhig verlaufen. Der Markt konsolidiert die jüngsten Gewinne – das heißt, er bewegt sich seitwärts oder leicht nach oben. Der Schlüsselbereich ist 6795 Punkte (unser Magnet-Level). Wenn diese Marke hält, ist alles im Lot. Die Saisonalität ist kurzfristig etwas schwächer, also erwarte nicht jeden Tag neue Hochs. Ein bisschen Hin und Her ist normal.

Woche 2 und 3 (Weihnachten/Neujahr) sind historisch oft starke Börsenwochen. Die klassische "Santa Rally" (Jahresendrallye) dürfte den Markt in Richtung 7000 Punkte treiben. Die Daten zeigen bereits jetzt, dass viele Händler mit Calls bei 7000 für Ende Dezember positioniert sind – sie erwarten also diese Bewegung.

Woche 4 (Anfang Januar) bringt die Entscheidung. Bei 7000 wird es spannend. Entweder schaffen wir den Ausbruch darüber (dann würden große Händler ihre Positionen anpassen und neue Ziele entstehen bei 7100), oder wir prallen ab und kehren zurück in die Range zwischen 6800 und 7000.

Risikomanagement: Wann wird es kritisch?

Du brauchst klare Linien im Sand, die dir sagen, wann du vorsichtig werden musst. Es gibt zwei wichtige Schwellen:

Gelbes Warnsignal: Wenn der S&P 500 unter 6795 Punkten (unserem Magnet-Level) schließt, ist das ein erstes Zeichen, dass die Käufer schwächer werden. Das bullische Momentum würde nachlassen. In diesem Fall solltest du deine Positionen kritisch prüfen und eventuell Gewinne sichern oder Stopps nachziehen.

Rote Linie: Ein Bruch der 6700 ist das ernste Alarmsignal. Unterhalb dieser Marke würde sich die gesamte Marktstruktur ändern. Die großen Händler müssten ihre Absicherungen anpassen, was zu mehr Volatilität und stärkeren Schwankungen führen würde. Sollte 6700 fallen, musst du aus deinen Long-Positionen raus – ohne wenn und aber.

Zusammengefasst: So nutzt du die nächsten vier Wochen

Der einfachste Weg, Geld zu verdienen, führt in den nächsten Wochen nach oben – ist aber klar durch die 7000 Punkte begrenzt. Der sinnvollste Trade ist ein Bull Call Spread mit Strikes bei 6900 und 7000, idealerweise eingestiegen bei einem kleinen Rücksetzer Richtung 6850. Wer konservativer handeln möchte, kann auch einfach Long-Positionen halten (etwa Calls oder Futures) und einen Stop unter 6795 setzen.

Wichtig: Versuche nicht, den großen Ausbruch über 7000 jetzt schon zu spielen. Die Wand dort ist massiv, und die Wahrscheinlichkeit eines Abprallers ist hoch. Nutze stattdessen die erwartete, langsame Aufwärtsbewegung innerhalb der Range. Das ist der Trade mit der höchsten Wahrscheinlichkeit – und genau darum geht es beim profitablen Optionshandel.

Wichtiger Hinweis: Dieser Handelsplan dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Jede Handelsentscheidung triffst du auf eigenes Risiko – prüfe alle Strategien sorgfältig auf deine persönliche Situation und dein Risikoprofil, bevor du handelst.