Warum der Anleihemarkt gerade wichtiger ist als der Aktienmarkt
Teil 1 von 4
Der Anleihemarkt ist das Fundament, auf dem alle anderen Märkte stehen, und gerade bewegt sich dieses Fundament. In dieser Serie nehme ich dich in vier Teilen mit: erst das Hier und Jetzt, dann der Blick um die Welt, dann der Blick zurück in die Geschichte, am Ende der Blick in dein Depot.
Ab heute treffen sich die mächtigsten Notenbanker der Welt in Jackson Hole, einem Bergtal in Wyoming, zu ihrem wichtigsten Jahrestreffen. Am Freitagnachmittag unserer Zeit hält Kevin Warsh, seit diesem Jahr Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der Fed, dort seine erste große Rede, und selten haben die Märkte so gespannt auf einen Termin gewartet. Der Grund ist eine Zahl, die die meisten Anleger sonst ignorieren: Vergangene Woche stieg die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf 5,3 Prozent, so hoch wie zuletzt 2007, dem Jahr vor der Finanzkrise. Finanzminister Scott Bessent war so beunruhigt, dass er ankündigte, der Staat werde eigene Anleihen zurückkaufen, um die Zinsen zu drücken. Der Effekt hielt einen Tag. Diese Woche ist es ruhiger, aber nicht, weil das Problem gelöst wäre, sondern weil alle auf Warsh warten.
Warum sollte dich das kümmern, wenn du Aktien oder ETFs hältst und keine einzige Anleihe? Weil am Anleihemarkt der Preis des Geldes gemacht wird. Und dieser Preis entscheidet über fast alles andere.