Warum die Regel ‚Zinsen rauf, Tech runter' gerade versagt
Kevin Warsh hat in seiner ersten Sitzung als Fed-Chef eine klare Botschaft hinterlassen: Die nächste Zinsbewegung geht eher nach oben als nach unten. Neun von achtzehn Notenbankern sehen 2026 mindestens eine Anhebung, nur ein einziger noch eine Senkung. Die alte Formulierung, dass demnächst gelockert werde, ist aus dem Statement verschwunden.
Und der Nasdaq? Der macht das Gegenteil von dem, was im Lehrbuch steht. Tech-Werte laufen deutlich stärker als der Gesamtmarkt, während die Notenbank einen härteren Kurs einschlägt – sie wird, wie Profis sagen, hawkish. Das Wort kommt vom Falken: Eine hawkische Notenbank neigt dazu, die Zinsen hoch zu halten oder sogar anzuheben, um die Inflation zu bekämpfen. Das Gegenteil ist die dovish (taubenhafte) Haltung, die für sinkende Zinsen und lockeres Geld steht. Merk dir das Paar, es taucht in jedem Fed-Bericht auf.
Du denkst jetzt vielleicht: "Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Höhere Zinsen sind doch das Gift für Wachstumsaktien" – das hat dir jeder erklärt, der schon mal "Duration" in den Mund genommen hat. Warum funktioniert die Regel diesmal nicht?
Das erwartet dich:
Was Warsh wirklich gesagt hat, und was nicht
Warum "Zins rauf = Tech runter" überhaupt eine Regel ist
Drei Gründe, warum die Regel gerade ausgehebelt wird
Der Haken, über den kaum jemand spricht