Wenn dem größten Schuldner der Welt die Käufer wegbrechen
Ray Dalio warnt, die USA stünden „am Abgrund". Im Kern seiner Warnung steckt ein unscheinbares, aber folgenreiches Problem: Am US-Anleihemarkt passen Angebot und Nachfrage nicht mehr zusammen. Was das bedeutet – und warum es auch dein Depot angeht.
Vielleicht sagt dir der Name Ray Dalio nichts – deshalb kurz vorab: Dalio ist einer der bekanntesten Investoren der Welt. Er hat die Investmentfirma Bridgewater Associates gegründet und über Jahrzehnte zu einem der größten Hedgefonds der Welt aufgebaut. Berühmt wurde er vor allem für seine Analysen großer Wirtschafts- und Schuldenzyklen – also der Frage, wie sich Staaten über Jahrzehnte immer weiter verschulden, bis das System irgendwann kippt. Genau darum drehen sich seine Bücher wie „Principles" oder zuletzt „How Countries Go Broke". Wenn so jemand vor einem Problem am Anleihemarkt warnt, lohnt sich das Hinhören – auch wenn man nicht jede Schlussfolgerung teilen muss.
Und vergangene Woche hat Dalio auf der Plattform X einen Satz geschrieben, der hängenbleibt: „Wir stehen am Abgrund." Gemeint ist die Phase zwischen den US-Zwischenwahlen im November und der Präsidentschaftswahl 2028. Seine Rechnung dahinter ist simpel: Die US-Regierung gibt rund 7 Billionen Dollar im Jahr aus und nimmt nur etwa 5 Billionen ein. Macht 40 Prozent Überausgabe – jedes Jahr aufs Neue.
Diese Lücke muss finanziert werden. Und genau hier wird es interessant. Denn der Staat finanziert sie nicht über Steuern, sondern über Schulden – über den Verkauf von Staatsanleihen, sogenannten Treasuries. Dalios eigentliche These ist nicht „die Schulden sind hoch" (das weiß jeder). Seine These ist subtiler und unbequemer: Das Angebot an neuen Anleihen steigt, während die Nachfrage danach nachlässt. Und wenn das stimmt, hat das Konsequenzen, die weit über Washington hinausreichen. Lass uns das mal in Ruhe auseinandernehmen.