Der Blindflug der Fed
Warum jede Zinsentscheidung heute eine Wette auf das Jahr 2027 ist
Im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie haben wir das Auto angelassen. Erinnerst du dich an das Bild? Die Inflation ist die Temperaturanzeige, die in den roten Bereich klettert. Und wir haben gesehen: Die Notenbank hält gerade womöglich das falsche Werkzeug in der Hand, weil der aktuelle Preisschub ein Angebotsschock ist – ein leerer Kühler, kein zu schwerer Gasfuß.
Heute kommt der Teil, der die Sache richtig ungemütlich macht. Denn an unserem Auto stimmt noch etwas anderes nicht: Die Frontscheibe ist schwarz lackiert. Der Fahrer – die US-Notenbank Fed – sieht nicht, was vor ihm liegt. Er sieht nur den Rückspiegel. Und im Rückspiegel erscheint die Straße mit gut einem Jahr Verspätung.
Das klingt wie eine schräge Metapher, ist aber eine ziemlich genaue Beschreibung dessen, womit Geldpolitik tatsächlich kämpft. Ökonomen haben dafür einen Begriff, der fast schon entschuldigend klingt: die "langen und variablen Wirkungsverzögerungen" der Geldpolitik. Übersetzt heißt das: Wenn eine Notenbank heute den Zins ändert, spürt die Wirtschaft davon erst in etwa 12 bis 18 Monaten die volle Wirkung. Und genau das macht jede Zinsentscheidung zu einer Wette auf eine Zukunft, die niemand kennt.
Das erwartet dich heute:
Warum Zinsentscheidungen erst mit ein bis anderthalb Jahren Verspätung wirken
Was das für die Fed gerade jetzt bedeutet – der Blindflug konkret
Die Zwickmühle: abwarten oder handeln, und beides ist gefährlich
Warum ein neuer Fed-Chef und politischer Druck die Lage zusätzlich aufladen
Was das für dich als Anleger heißt